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Tandem

Am 5. Februar 2003 stieg das Kollegium Seftigen in ein zweijähriges Schulentwicklungsprojekt ein.
Tandem ist eine berufliche Partnerschaft. Zwei Lehrpersonen unterstützen sich gegenseitig in der Entwicklung ihres Unterrichts.

Das Kernelement der Tandemarbeit besteht darin, dass nach einer Vorbesprechung der Unterricht durch eine Lehrerkollegin bzw einen Lehrerkollegen besucht und der Klassenbesuch nachbesprochen wird. Konkret nehmen die Beteiligten ihre Entwicklungsbedürfnisse wahr und formulieren diese explizit als Thema oder Fragestellung. Sie erarbeiten miteinander einen entsprechenden Beobachtungsgesichtspunkt, beobachten dadurch gezielt den Unterricht, halten die Beobachtungen fest und geben einschlägige Rückmeldungen. Schliesslich reflektieren sie die Beobachtungen und suchen gemeinsam Problemlösungen, die umgesetzt werden. Die Tandemarbeit dient damit nicht nur der Verbesserung des Unterrichts, sondern auch als "Mechanismus zum Feedback, zur Reflexion und zur kollegialen Unterstützung" (Enns-Connolly, 1991, S.5).

Vier Aspekte charakterisieren im Wesentlichen das Projekt Tandem:

- Die Zielsetzung der beruflichen Weiterentwicklung
   Mehr über den Unterricht zu erfahren und diesen weiterzuentwickeln ist die    zentrale Zielsetzung des Tandems. In erster Linie geht es um ein vertieftes Wissen    über den eigenen Unterricht als Ausgangspunkt für gezielte Veränderungen.
   Da Unterrichten zudem von der Persönlichkeit der Lehrperson geprägt ist, ist es    fast unvermeidlich, dass bei der Analyse des eigenen Unterrichts auch eine    Reflexion der ganz persönlichen Verhaltensweisen und -muster ins Blickfeld rückt.    In der Reflexion über sich als Lehrperson liegt das Potential, berufliche    Weiterentwicklung als Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen.

- Die Organisation als Zweierteam
   Das Tandem funktioniert als Zweierteam und nach dem Prinzip der    Gegenseitigkeit. Das heisst, dass sich hier zwei gleichberechtigte Partner    wechselseitig beobachten und Rückmeldungen geben. Viele Lehrkräfte sind sich    gewohnt, im sozusagen privaten Bereich des Klassenzimmers zu unterrichten. "Die    Schulzimmertüre zu öffnen", sich von einem Kollegen oder einer Kollegin    beobachten zu lassen bedeutet u.a., sich zu exponieren und persönliche Seiten zu    zeigen, die im Normalfall nur die SchülerInnen zu Gesicht bekommen.

- Die Methode der Fremdperspektive
   Der Vergleich der Selbst- mit der Fremdwahrnehmung ermöglicht eine neue    Perspektive und ein Überdenken von unreflektierten, oft eingeschliffenen    Verhaltensweisen. Dies kann zu einem vertiefteren Verständnis des eigenen    unterrichtlichen Handelns führen. Er kann zudem als Moment der Spannung Antrieb    zur Veränderung und Entwicklung sein.

- Die strukturierte Verlaufsform
   Die Tandemarbeit folgt in ihrem Verlauf einer klaren Struktur: Ausgangspunkt ist    der Unterricht, der nach bestimmten Gesichtspunkten beobachtet wird. Die    Beobachtungen werden rückgemeldet und im Hinblick auf Verhaltensmuster und    Handlungsmöglichkeiten reflektiert. Aufgrund der Reflexion wird eine Idee    umgesetzt und entsprechend modifiziert unterrichtet. Es handelt sich um einen    Kreislauf, das sogenannte Arbeitsmodell, mit den Stationen: Vorbesprechen    (Beobachtungsauftrag festlegen), Beobachten (Beobachtungs-Gesichtspunkte    anwenden, Beobachtungen festhalten), Nachbesprechen (Feedback    geben/nehmen, Erkenntnisse gewinnen/formulieren) und Umsetzen (Planen und    Handeln).

Gemäss den Resultaten einer Fallstudie beinhalten die Auswirkungen fünf Bereiche auf der Ebene des Individuums: Sie umfassen
o Bestärkung der Lehrperson,
o Entwicklung einer reflexiven Berufspraxis,
o Entwicklung von Offenheit und Sensibilität,
o Befähigung, die Unterrichtspraxis zu verändern, und
o Gesundheit und Arbeitszufriedenheit.

Auf der Ebene des Systems konnten drei Wirkungsbereiche erkannt werden:
o Veränderungen im Schulklima und in der Schulkultur,
o Erweiterung der Rollen von Lehrpersonen im Kollegium und
o Erweiterung von Qualitätsentwicklungsprozessen an der Schule.


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